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Wer war Recha Freier? - Ihr Leben und Wirken

Recha FreierAm 29. Oktober 1892 wurde Recha Freier in Norden geboren. Wer war Recha Freier? 

Etwa 10.000 Jugendliche und Kinder entkamen dem Holocaust durch das Werk der in Norden geborenen Jüdin Recha Freier, der Jugend-Aliya. Auch einige Norder Jugendliche wurden so gerettet und erreichten das damalige Palästina, darunter auch der 2008 in Israel verstorbene Rudy Wolff. Recha Freiers frühzeitige und klarsichtige Einschätzung der politischen Entwicklung, ihre Vision von der Rettung der jungen Generation, ihr Mut und ihre Entschlossenheit gegen manche Widerstände halfen vielen zu überleben.
 
Recha Freier (geb. Schweitzer) wurde am 29. Oktober 1892 in Norden geboren. Ihr Vater Manasse Schweitzer war von 1891 – 1897 hier Lehrer, Kantor und Vorbeter der jüdischen Gemeinde. 

Als Vierjährige erlebte Recha bei einem Spaziergang über den Markt, wie ein Plakat an der Umzäunung des Blücherplatzes die Familie am Weitergehen hinderte. Diese erste Begegnung mit antisemitischer Diskriminierung sollte als Grundmuster ihr Leben beeinflussen.

Jahrzehnte später fasste sie das traumatische Erlebnis in ein berühmt gewordenes Gedicht:

Erdbeben:

Der Stadtgarten
Das goldglänzende Gitter
geschlossen
ein großes weißes Pappschild
Ein Rahmen aus schwarzem Papier
Eintritt für Hunde
und Juden verboten!

In Schlesien wuchs Recha Schweitzer auf, als einzige Jüdin der Schulklasse immer wieder von Lehrern verspottet. Musikalisch und dichterisch begabt, studierte sie in Breslau und wurde Lehrerin und Pianistin,heiratete den Berliner Rabbiner Moritz Freier und wurde Mutter von vier Kindern. Von 1920-1923 lebte die Familie in Sofia. Hier in Bulgarien gründete sie eine zionistische Organisation für junge Frauen, die u.a. in faschistischer Zeit 1941 – 1944 illegale Einwanderung nach Palästina organisierte.
 
In Berlin, wohin ihr Mann als Oberrabbiner berufen wurde, sah Recha Freier bald die Not jüdischer Jugendlicher: Ächtung in Schulen, Lehrstellen, Arbeitsplätzen und fehlende Zukunftsaussichten als Folge antisemitischer Hetze. Sie begann schon 1932, Jugendliche nach Palästina zu bringen, wo sie Pflegeeltern und Betreuer in Kibbuzim fanden. Am 30. Januar 1933, dem Tag der Machtergreifung, wurde offiziell die Jugend-Aliya gegründet. "Aliya – Aufstieg nach Jerusalem" nennen Juden die Einwanderung ins damalige Palästina und heutige Israel.

Sie stieß in jüdischen Kreisen auf Widerstand, denn man wollte die Jugend in Deutschland halten und jüdisches Leben nicht aufgeben. Mit ihrem zionistischen Elan rettete Recha Freier bis 1941 vielen Tausenden junger Juden das Leben.

In Ausbildungslagern wurden die Jugendlichen in vielen Fällen auf ihr neues Leben im Kibbuz vorbereitet, lernten Hebräisch und Kenntnisse in der Landwirtschaft und wurden dann auf zum Teil schwierigen Wegen nach Palästina gebracht. Sie scheute sich nicht, auch illegale Wege und Lügen zu nutzen, um Kinder zu retten. Während der „Kristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 hielt sich die Familie in London auf, kehrte aber zurück, um das Werk fortzusetzen. Zu unterschiedlichen Zeiten hat die Familie Freier Deutschland verlassen, um sich selbst zu retten, in letzter Minute auch Recha mit ihrer jüngsten Tochter Maayan. 

Später widmete Recha Freier sich in Israel der Musik und Dichtung, begründete eine Vereinigung von Musikern und Schriftstellern und schuf Texte und Kompositionen zur jüdischen Geschichte.

Albert Einstein schlug sie 1954 für den Friedensnobelpreis vor. 1975 wurde ihr die Würde einer Ehrendoktorin der Hebräischen Universität in Jerusalem und 1981 der Israelpreis verliehen.

Sie starb in Jerusalem am 2. Februar 1984 im Alter von 91 Jahren.

Die Jugend-Aliya besteht bis heute. Sie holte nach dem Kriege junge Juden aus Nordafrika nach Israel, später aus der Sowjetunion und aus Äthiopien.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Ökumenischen Arbeitsgruppe Synagogenweg Norden

Eingestellt: 19.04.2010
Text: Almut Holler, Ökumenische Arbeitsgruppe Synagogenweg Norden
Das Foto stammt aus einem Artikel über Recha Freier von der Internetseite irgun-jeckes.org: http://www.irgun-jeckes.org/?CategoryID=365&ArticleID=1536